Lawinengefahr!

Egal welche Fähigkeit du lernen willst, nimm dich vor Lawinen in Acht!!
Nicht die aus Schnee, sondern die aus Informationen. Die tausenden Videos und Texte, die alle nur erdenklichen Techniken und Varianten aus allen möglichen Perspektiven beschreiben:

“Die 10 wichtigsten Punkte…:”
“7 essentielle Tipps…”
“Die Top 5 Übungen…”
“DIE Technik, um effizienter zu…”

Manchmal gibt es falsche oder schädliche Informationen, doch die meisten Inhalte sind tatsächlich richtig! ‘Richtig’ aber nur dahingehend, dass sie Details beschreiben, die man bei jemandem beobachtet hat, der etwas sehr gut kann. Es sind Symptome und nicht die Ursache für Lernerfolge.

Methoden & Techniken beschreiben ein fertiges Ergebnis, nicht den Lernprozess, der dazu führt.
Empfehlungen und Tipps werden im Nachhinein formuliert – also nachdem jemand durch einen Lernprozess herausgefunden hat, wie es (für ihn) am besten funktioniert. Wollten wir das tatsächlich von jemandem übernehmen, müssten wir exakt all dieselben Erfahrungen machen – und zwar sowohl die Positiven als auch die Negativen. Denn gerade die misslungenen Versuche sind essentieller Bestandteil des Lernens. Nur im Kontrast zu gelungenen Ausführungen entwickeln wir ein Gespür, was die beste Art ist, etwas umzusetzen.

Es tut mir Leid, aber die Vorstellung, durch möglichst gute Lehrer / Kurse / Tipps Fehler vermeiden und dadurch schneller vorankommen zu wollen, behindert den Lernprozess. Dass man nur die ‘Best Practices’ kopieren könne, ist lediglich ein Marketing-Mythos.

Setzten sich über die Zeit nicht die besten Methoden durch?
Nein, denn sonst gäbe es nicht die unterschiedlichsten Konzepte und Schulen, mit denen verschiedene Leute ein vergleichbar hohes Niveau an Fähigkeiten erreicht haben. Ganz zu schweigen von Menschen, die rein durch Nachahmung ihrer Idole ohne spezifische Anleitung gelernt haben.

Exakt Schritte und Details abarbeiten ist nicht lernen. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, doch ein Lernprozess beinhaltet immer ein Experimentieren, ein Ausprobieren verschiedener Möglichkeiten. Nur indem wir selbst direkt erleben, wann etwas funktioniert und wann nicht, entwickeln wir ein grundlegendes Verständnis. Dann finden wir Lösungen, die wirklich zu uns passen…
…und das mögen Variationen oder völlig andere sein, als in den unzähligen, oft ehrlich gut gemeinten Ratschlägen.

Alles ( Lehrer / Trainer / Coaches / Anleitungen / Kurse / Tipps / Empfehlungen / etc. ) können hilfreiche Anregungen sein, sie sind aber niemals die Lösung, die man einfach abarbeiten kann. Wir können uns in allem(!), auch noch so hochwertigen Informationen verlieren.

Daher ein paar Fragen zur Reflexion:

Suchst du ständig immer weitere Infos?

Wonach suchst du eigentlich? Nach einer Anleitung, der du einfach schrittweise folgen kannst und die eine Lösung garantiert?

Warum machst du es? Aus wahrhaftigem Interesse oder eher aus Unsicherheit, es noch nicht richtig genug zu machen?

Wie viel Zeit verbringst du mit dem Konsum von Informationen?

Wie viel Zeit verbringst du damit, verschiedenes direkt praktisch auszuprobieren?

Ist da womöglich sogar Frust und Resignation, wenn es sich manches doch nicht als so einfach herausstellt, wie es versprochen wird?


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