Es bringt nichts, etwas zu versuchen

“Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.”  Dieses Zitat aus einem der Star-Wars Filme ist nicht nur amüsant, sondern beschreibt ein grundlegendes Prinzip oder auch Missverständnis wenn es um das Lernen neuer Fähigkeiten geht.

Wenn wir etwas unbedingt können wollen, dann geben wir uns Mühe und strengen uns besonders an. Diese Anstrengung zeigt sich direkt im Körper, zum Beispiel durch übermäßige Anspannung oder Steifheit. Das verhindert eine bestmögliche Ausführung.

Dann sind wir oft frustriert: “Ich mache es doch! Warum will das einfach nicht funktionieren???” Oder noch schlimmer, wir trauen es uns nicht mehr zu und verurteilen uns selbst: “Ich bin wohl nicht gut genug, mache es immer falsch, ich kann das einfach nicht…”

Unser gesamte Fokus liegt darauf, es richtig, möglichst perfekt machen zu wollen oder was wir uns von einem guten Ergebnis erhoffen (zum Beispiel der Klassiker: mehr Anerkennung). Dadurch nehmen wir die hinderlichen Veränderungen im Körper gar nicht wahr und können sie auch nicht korrigieren.

Es hat eine völlig andere Qualität, wenn wir aus wahrhaftigem Interesse, aus Neugier, mit Lust und Freude etwas machen. Wir tun es einfach und beobachten jeweils die Ergebnisse ohne Ärger oder Frust: “Ok, so funktioniert es nicht… also gleich nochmal!”. Mit der Zeit bekommen wir ein immer besseres Gefühl für die Bewegungsabläufe – und dann klappt es plötzlich.

Natürlich können wir nichts auf Anhieb perfekt. Selbst jemand, der überaus talentiert ist, baut erst über vielfache Wiederholung hilfreiche Gewohnheiten auf und verinnerlicht es. Manchmal dauert es lange und ist körperlich anstrengend, wenn der Körper sich erst anpassen muss.

Mit “Versuchen bringt nichts” ist also die Einstellung gemeint, mit der wir an etwas drangehen. Uns verbissen anstrengen, uns zum Üben oder Trainieren zwingen, etwas durchziehen, uns pushen und eine Sache unbedingt erreichen wollen, ist ein sehr umständlicher Weg. Er führt nicht effizient zum gewünschten Ergebnis, sondern stört und verzögert Lernprozesse. In solchen Momenten weiter zu üben, ist Zeit- und Energieverschwendung. Ich habe es viele hunderte Male in unterschiedlichsten Bereichen ausprobiert 🙂

Das ist auch nicht, was wir bei Menschen sehen, die etwas besonders gut können und uns damit inspirieren. Sie machen es einfach und genau das bewundern wir in der Regel: die Leichtigkeit, wie kraftvoll aber ohne jegliche Verspannung die Ausführung abläuft. Derjenige versucht dabei nicht angestrengt, möglichst gut zu sein. Er schauspielert auch nicht, um es nach außen leicht aussehen zu lassen. Es geschieht wirklich mit Leichtigkeit. Das ist auch die Voraussetzung für kreatives Gestalten und Variieren, die Entwicklung eines eigenen Stils.

Die Vorstellung, wir müssten uns erst verbissen anstrengen, hart trainieren, damit sich dann hoffentlich irgendwann die Leichtigkeit einstellt, erkenne ich heute als einen großen Widerspruch.

Wenn es mit Freude machen nicht möglich ist, ich angestrengt versuche etwas zu verbessern, verstehe ich das inzwischen als wertvollen Hinweis. Dann steckt sehr wahrscheinlich etwas dahinter. Eine unbewusste Motivation und Bedürfnis, das uns antreibt, statt eine kindliche Neugier an der jeweiligen Tätigkeit. Dann hilft vielleicht, nochmal was Neues ausprobieren und einen Unterschied direkt zu erleben. Ich kann es auch nur rückblickend klar sehen, wo ich mich verrannt hatte, obwohl ich dachte, ich sei richtig. Versteht man unter ‘Versuchen’, sich auf Neues einlassen und rausfinden, ob man überhaupt Freude daran hat, ist das nur zu empfehlen!

Somit kann ich dich nur ermutigen, möglichst das zu tun, wo du wirklich aus neugierigem Interesse und Freude dabei bist. Dann wirst du vermutlich genauso erstaunt sein wie ich, wie leicht und schnell wir lernen und uns entwickeln können. Oder ganz im Sinne dieser Webseite formuliert, machen wir es uns nicht-so-kompliziert.


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